Im Gemeindwappen finden sich – neben der Mondsichel und Sternen – zwei Ähren. Diese zwei Ähren verweisen auf eine Sage. Demnach sind einst zur Zeit der Volkerwanderung (ungefähr 5. Jahrhundert n. Chr.) slawische Kaufleute („Windische“!) aus dem Süden kommend durch das Tal gezogen. Sie haben hier gelagert und dabei auch einige Gerstenkörner verloren. Als sie im Jahr darauf wiederum in das Tal kamen, fanden sie auf ihrem alten Lagerplatz ein üppiges Ährenfeld vor. Sie erkannten die Fruchtbarkeit dieses Bodens und siedelten hier...
Tatsächlich beginnt die Geschichte des Garstnertales natürlich viel früher. Eindeutige Funde, Steinwerkzeuge, verweisen auf die Menschen der Steinzeit, die hier – 50.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung - wahrscheinlich den Höhlenbären gejagt haben.
Der Boden atmet Geschichte
In der Zeit zwischen 2.000 und 1.000 v. Chr. treffen wir die Kelten hier und schließlich – ab 500 v. Chr. – natürlich die Römer. Wir befinden uns nunmehr in der römischen Provinz Noricum und das Tal und die kleine Siedlung sind Teil der norischen Reichsstraße, einer der wichtigsten Süd-Nord Verbindungen. Damals wie heute: Pyhrnstraße und der Pyhrnpass liegen genau auf dieser uralten Route aus dem Süden. „Gabromagus“ (lat., für Bocksfeld) haben die Römer das frühe Windischgarsten genannt und sie haben den Ort als eine „Mansio“ (lat., für Übernachtungsstation) – so die Geschichtsforschung - genutzt. Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. beginnt sich das Ende des Römischen Reichs abzuzeichnen. Ganz Mittel-Europa zittert jetzt vor den gefürchteten wilden Horden aus dem fernen Osten, den kriegerischen Hunnen; eine bis heute nicht vollständig verstandene Wanderbewegung der unterschiedlichsten Völker in ganz Europa beginnt.
Nach den Römern
Der Ursprung des Volksstammes der Slawen wird im heutigen Südrussland (Kasachstan) vermutet. Diese Slawen haben sich – aus welchen Gründen auch immer – in mehrere Windrichtungen – auf den Weg gemacht; ein Teil von ihnen ist jedenfalls im Garstnertal gelandet. Von ihnen erzählt die eingangs erwähnte Sage; von ihnen erzählen ab auch heute noch unzählige Orts- und Eigennamen, wie Ostrawitz, Gierer, Bosruck, Reschitz, etc.
Aus Bayern ziehen – so um 700 – friedliche Siedler zu; sie haben das Christentum im Gepäck; Aus der Zeit der Karolinger finden wir um 800 einen Hinweis auf einen Herrschaftshof im „Waldbergland“ – dieses Anwesen findet sich dann im 11. Jahrhundert als Zentrum des gesamten Umlandes entlang der Pyhrnlinie im Besitz des Bistums Bamberg in Franken (Kaiser Heinrich II). Fränkische Siedler ziehen zu...
Das dunkle Mittelalter
Man nennt es dunkel und finster, weil es nur wenige und wenn – dann bruchstückhafte – historisch verwertbare Quellen über diese Zeit gibt. Es ist jedenfalls die Zeit der Pilger und Kreuzfahrer: im Hospiz am Pyhrn werden diese von einer Bruderschaft versorgt und bei Bedarf gepflegt. Am 29. März 1170 – so eine eindeutige Quelle – gastiert Kaiser Friedrich Barbarossa samt riesigem Gefolge in der kleinen Ansiedlung, die ab dem 13. Jahrhundert dann tatsächlich Windischgarsten (weil es hier eben viele „Windische“ gibt und in Abgrenzung zu jenem Garsten bei Steyr) heißen wird.
Mitte 14. Jahrhundert sehen wir den Ort mit Marktrechten ausgestattet; 1444 erteilt Kaiser Friedrich III das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes. 60 Häuser zählt der Ort, aber der Aufschwung beginnt.
Steil nach oben
Handel, Gewerbe – und später die Sensenerzeugung bringen das Tal in der frühen Neuzeit steil nach oben. Freilich sind immer wieder Rückschlage – seien es die Türken, die Gegenreformation oder auch diverse Brände – zu verkraften. Dem Wiederaufbau verdanken wir die barocken Bürgerhäuser, die wir zum Teil heute noch bewundern dürfen. Wie Phönix aus der Asche präsentiert sich Windischgarsten als Mittelpunkt des damals florierenden Sensen-Marktes.
Revolution und Napoleon warten noch auf ihren Auftritt in der Geschichte, ehe der Ort wieder zu „Österreich ob der Enns“ gehört. 1906 sehen wir die erste Lokomotive durch Tal dampfen; 1909 – am Weihnachtsabend – hat ein Windischgarstener zum ersten Mal einen Telefonhörer in der Hand. Die große Zeit des Fremdenverkehrs – damals wohl „Sommerfrische“ genannt – beginnt.
Zwei Weltkriege haben auch diese Ecke von Oberösterreich nicht verschont; aber: bereits 1951 finden hier die alpinen und nordischen Staatsmeisterschaften statt! 1958 wird der Sessellift auf den Wurbauerkogel eröffnet; 1964 wird Windischgarsten mit dem Titel „Luftkurort“ geadelt.








