Dass unsere Berge leben hat sich ja mittlerweile herumgesprochen. Und könnten sie von und aus diesem ihrem Leben erzählen, dann würden wir aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Das Leben der Berge ist ein äußerst bewegtes Leben. Ein bewegtes Leben allerdings, das nahezu außerhalb des menschlich Fassbaren liegt. Denn die Berge leben in einer anderen Zeit. In einer Zeit, die uns an das Ewige erinnert. Mit ein Grund wahrscheinlich, warum wir uns ihnen so verbunden fühlen. Mit ein Grund wahrscheinlich, warum gerade hier Spirituelles in der Luft liegt.
Muschelsucher
Man darf sie nicht suchen, heißt es, denn sie finden uns: die versteinerten Muscheln am Wegesrand, die uns daran erinnern, dass hier einmal das Meer war. Aber auch die Gletscher der Eiszeiten, die schleifen, drücken und schieben und riesige Findlinge bis weit in die Ebenen hinaus befördern. Und dass sich die afrikanische Kontinentalplatte kontinuierlich – so schnell wie ein Fingernagel wächst - unter die europäische Platte schiebt und dadurch mancherorts Falten, also zum Beispiel die Alpen, wirft...
Nachdem das Erz gerade in dieser Gegend keine unerhebliche Rolle spielt, kann man sich natürlich auch fragen: wie kam das Erz in den Berg? Nicht nur die Berge leben, die gesamt Erdoberfläche, die Kruste also, die aus Platten besteht, ist permanent in Bewegung. Die Platten bewegen sich dabei in unterschiedlichen Richtungen. Sie bewegen sich nicht nur an der Oberfläche der Erde, sondern sie bewegen sich in Richtung zum Erdinneren. Obere Schichten kommt nach Unten, untere Schichten – wie etwa jene wo im Erdinneren das Erz „gekocht“ wurde - kommen nach oben. Und hier graben wir es dann – Milliarden Jahre später – aus dem Berg, bearbeiten und schmieden und fertigen landwirtschaftliches Gerät, Schmückendes und Kunstvolles...
Sinnsucher
Seit urewigen Zeiten waren die Menschen von den Bergen „berührt“. Und sie sind es noch heute. Erdgeschichte und Geologie sind ja nur einige der vielen Facetten, die uns die Bergwelt heute bieten. Denn was wäre alpines Erleben ohne zugehöriger Flora und Fauna, ohne jenem Spektrum an Düften und Gerüchen, ohne jener verhaltenen Symphonie der Stille und ohne jene Menschen, deren Gastfreundschaft wir hier genießen und die das einzigartige Ambiente erst vervollkommnen. Die Sinnfrage des Lebens wird ja nicht erst seit gestern gestellt. Die Antwort allerdings erübrigt sich hier heroben am Wurbauerkogel – umringt und beschützt von 21 „Zweitausendern“. Schauen, hören, riechen, schmecken, fühlen, atmen... und einwirken lassen – sind als erste Übungen höchst empfehlenswert.
Namenssucher
Freilich gehört seit dem Sommer 2005 der „Panoramaturm“ zum Pflichtprogramm am Wurbauer, genauso wie die - wahrscheinlich sowieso dringend notwendige - Einkehr beim Wirt „Beim Turm“. Soviel Natur macht unweigerlich hungrig und durstig.
Im insgesamt sechs Geschoße hoch aufragenden Turm, einer beeindruckenden Stahl- und Glaskonstruktion, sollte man sich freilich auch die Ausstellung „Faszination Fels“ nicht entgehen lassen. Nicht nur über das eingangs erwähnte Leben der Berge kann man sich hier eingehend informieren, sondern generell über das Phänomen Alpen und die zugehörige Tier- und Pflanzenwelt. Und spätestens hier erfährt man dann auch, dass man unmittelbar am Tor zum „Nationalpark Kalkalpen“ steht. Auch wer für das umgebende Panorama Namen braucht wird hier fündig und kann sich zeigen lassen wo nun genau die oberösterreichischen Voralpen zu sehen sind, das Sengsengebirge, das Reichraminger Hintergebirge und die Haller Mauern, wo das Toten Gebirge zu finden ist oder das Warscheneck, wo das Gesäuse liegt und und und...
Abenteuersucher
Der Wurbauerkogel ist dann natürlich auch das Paradies für die kleinen und großen Abenteuer vor der Haustür. Und das seit um die Jahrhundertwende des vorigen Jahrtausends das Wort „Sommerfrische“ zu erstmal durchs Tal geflüstert wurde. Gern wird er als der Hausberg der Windischgarstener bezeichnet; seine Bekanntheit und auch Beliebtheit allerdings reicht heute bis weit über die Gemeinde- und Landesgrenzen hinaus. Lift und Sommerrodelbahn machen den Wurbauer, neben seinen Wanderrouten, zum Ausflugstipp Nummer 1; das Zeitalter der Mountainbiker aber macht den 858 Meter hohen Kogel berühmt und – berüchtigt. Ein Wimpernschlag im Leben des Wurbauerkogels.








